Bericht eines Schülers

ALTENPFLEGEAUSBILDUNG – NUR "SATT UND SAUBER" ODER DOCH MEHR ?

Die Ausbildung zum Altenpfleger zeigt, wie breit gefächert das Tätigkeitsfeld ist. Es geht nicht nur darum den Bewohner „satt und sauber“ zu machen. Die zwischenmenschliche Kommunikation und Interaktion nimmt einen sehr hohen Stellenwert ein. In der sogenannten ganzheitlichen Altenpflege wird die zu pflegende Person mit all ihren vorhandenen Fähigkeiten, Vorstellungen und Wünschen einbezogen. Die Pflege wird so durchgeführt, wie es der Betroffene selbst auch tun würde, wenn er dazu in der Lage wäre. Häufig muss der Altenpfleger dazu seine eigenen Vorstellungen von Körperpflege überdenken, denn den heutigen „Körperkult“ gab es zu Großmutters Zeiten in dieser Form nicht.

Viele ältere Menschen, die in Stationären Pflege-Einrichtungen leben, können sich nicht mehr in ausreichendem Maße äußern. Aufgrund dessen ist u.a. die Biografiearbeit von Bedeutung. Darin werden Bewohner zu der Gestaltung ihres bisherigen Lebens befragt und zusätzlich Gespräche mit Angehörigen, Verwandten und Freunden geführt. Diese können Aufschluss darüber geben, was dem älteren Menschen in seinem Leben wichtig war, was ihm Freude bereitet hat und welche Krisen er durchlebt hat. Daneben helfen der tägliche Umgang mit dem älteren Menschen und die gezielte Beobachtung. Der Altenpfleger benötigt ein hohes Maß an Beobachtungsgabe und Einfühlungsvermögen, um Verhaltensweisen zu verstehen und darauf eingehen zu können.

Altenpflege ist ein Beruf der Zukunft, da die Zahl der pflegebedürftigen Menschen weiterhin ansteigen wird. Viele alte Menschen werden so lange wie möglich zu Hause von der Familie gepflegt. Die pflegenden Angehörigen brauchen Beratung, Schulung, Anleitung und Unterstützung bei der Betreuung und Pflege. Deshalb ist entsprechendes medizinisches, psychologisches und pflegerisches Grundwissen für einen Altenpfleger unerlässlich. Gerade in der häuslichen Pflege steht, anders als in einem Krankenhaus, selten sofort ein Arzt zur Verfügung. Man ist auf eigenverantwortliches Arbeiten angewiesen. Was nicht heißt, dass sämtliche Entscheidungen alleine getroffen werden müssen. Es ist wichtig im interdisziplinären Team (also gemeinsam mit allen Berufsgruppen, die direkt oder indirekt mit Pflege zu tun haben), regelmäßige und verbindliche Absprachen zu treffen.

Darüber hinaus kann die Ausbildung zum Altenpfleger einen Selbsterfahrungscharakter haben. Voraussetzung ist die Bereitschaft, sich neuen Erfahrungen zu stellen und sich selbst gegenüber damit ehrlich umzugehen. Man lernt, dass Körper und Geist in einem engen Zusammenhang
stehen und sich gegenseitig auf verschiedene Weise beeinflussen. Wenn einem dieses Wechselspiel bewusst ist, kann dadurch weiteres Interesse an Fort- und Weiterbildungen, wie z.B. Kinästhetik oder basale Stimulation geweckt werden.

Zusätzlich werden zwischenmenschliche Beziehungen und ihre Wirkmechanismen beleuchtet. Das kann zu einem besseren Verständnis der Menschen untereinander führen. Wenn man gelernt hat, menschliches Verhalten aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und deshalb unterschiedlich zu werten, kann das im privaten Alltag helfen.

Die Ausbildung bietet, sowohl für die berufliche Laufbahn, als auch für die persönliche Weiterentwicklung eine Vielzahl an Möglichkeiten und eröffnet neue Sichtweisen für das menschliche Miteinander.

Thomas Keim (3BFA3)
Altenpflegeschüler in der Mathilde-Planck-Schule – Berufsfachschule für Altenpflege
Geschrieben im Februar 2006

Altenpflege - abwechslungsreich, zukunftssicher